Autoren/Presse-Stimmen
"In den Gedichten des usbekischen Lyrikers Jodgor Obid, die ich in Nachdichtungen gelesen habe, spüre ich das Talent, in dem markant sowohl die orientalische als auch die europäische Philosophie dargestellt wird. Seine feinen Metaphern, die aus einer Sprache in die andere unverändert übergegangen sind, zeugen von der Tiefe der Empfindungen des Poeten. Jodgor Obid ist nach meiner Meinung einer der bedeutendsten gegenwärtigen Dichter Usbekistans." (Andrej Wossnessenski, Moskau)
"Ich habe keine Möglichkeit, Jodgor Obid im Original zu lesen, aber aus den Übersetzungen sind ein scharfer poetischer Gedanke, das Gefühl des Nationalkolorits zu spüren. Er ist ein Dichter von Gottes Gnaden." (Bella Achmadulina, Moskau)
"Die Gedichte von Jodgor Obid begann man in Russland erst zu übersetzen, als der Sowjetstaat zusammenbrach. Eben weil er kein sowjetischer und kein kommunistischer Dichter war, drangen seine Gedichte aus Usbekistan nach Russland nicht durch. Zwar wird jetzt in Russland nur sehr wenig Poesie übersetzt, und doch ist sein Buch auf russisch erschienen. Das besagt, er ging aus dem Untergrund heraus und fiel sofort in die Ungnade der Machthabenden seiner Heimat, die noch schlimmer als zu Sowjetzeiten sind." (Junna Moritz, Moskau)
"Jodgor Obid ist einer der wenigen Dichter, denen es gelang, die usbekische Literatur von der Altlast des Kommunismus zu befreien, sie wiederzubeleben und ihr einen neuen Geist einzuhauchen. Er machte aus einer toten Literatur, die nur noch auf dem Papier bestand, eine Literatur des Volkes."
(Schahongir Muhamed, Taschkent, lebt in den USA)
"Die Melodie des Originals ist in der Übersetzung leider verlorengegangen. Man kann sich vielleicht eine vage Vorstellung davon machen, wie Obids Gedichte im Original klingen, wenn man bedenkt, daß einige von ihnen in Usbekistan sogar als Volkslieder bekannt sind. Auf die Übertragung der Reimform ins Deutsche haben wir bewußt verzichtet, weil dadurch zwangsweise sehr viel vom Inhalt verlorengegangen wäre und die gereimten Gedichte für ein deutschsprachiges Publikum zu antiquiert klingen würden." (Martha Sever, Sandra Ziagos/ Graz)
"Lange vor dem Zerfall der UDSSR hatte Jodgor Obid vor einer drohenden Umweltkatastrophe in seiner Heimat gewarnt. Usbekistan war als Baumwoll-Lieferant für die gesamte UDSSR auserkoren und in eine riesige Baumwollplantage umstrukturiert worden. Als Folge der Monokultur trockneten die Zuflüsse des Aralsees aus, der See wurde zu einem Sumpf. Die Bevölkerung teilte die Besorgnis des Dichters, die Regierung wollte den lästigen Kritiker zum Schweigen bringen. Er wurde verhaftet, eingesperrt und gefoltert. ´Ich wurde mit dreckigem Wasser angeschüttet, bekam Elektroschocks. Sie zogen mir Plastiktüten über den Kopf, bis ich keine Luft mehr bekam und ohnmächtig wurde. Dann schlugen sie mich und traten mich mit Füßen`, erzählt er stockend. Die Bevölkerung protestierte gegen die Verhaftung des populären Schriftstellers und forderte seine Freilassung. Nach ein paar Tagen wurde er aus dem Gefängnis entlassen und nach Sibirien geschickt. Dort sah er ein noch viel größeres Ausmaß an Umweltzerstörung. ´In Europa weiß man bis heute nichts über die Umweltsituation in Zentralasien`, bedauert Jodgor Obid und warnt: ´Auch in Europa wird man irgendwann diese Katastrophe zu spüren bekommen.`"
(Birgit Köhlmeier, Schwäbische Zeitung)
"Abseits jeder Theatralik handeln diese Gedichte vom Kampf gegen die Diktatur, sie belegen aber auch den spezifischen Charakter einer Kultur mit einer starken Verhaftung im Lyrischen, die sich in einem alltäglichen und natürlichen Umgang mit Poesie niederschlägt."
(Kathi Hofmann-Sewera, Kleine Zeitung) |